Und Frau Braun, wie halten Sie es mit dem Schreiben?

Im Hintergrund die Kieler Förde am Hindenburgufer. Im Vordergrund drei Buchcover der Braunschen Werke.

Gute Frage! Ich dachte, nachdem ich neulich einen Artikel über die diversen Schreibratgeber eingestellt habe, wäre es nicht schlecht mal über das eigene Schreiben zu berichten.

Wo fängt die Geschichte an? Meistens mit einer Person. Manchmal ein Thema, das mich interessiert. Oft ist es etwas, das ich geträumt habe. In der Regel setze ich mich aber nicht gleich hin und fange an, sondern gehe einige Zeit schwanger. Ist es eine Person dann begleitet sie mich durch den Alltag und irgendwann ist der Punkt da, an dem sie spricht. Dann beginnt eine Unterhaltung. Ich lerne sie kennen. Dabei stellt sich heraus, ob sie eine längere Geschichte mit sich bringt oder eher etwas kurzes. Kurzgeschichten kommen oft eher über ein Thema. Komischerweise ist es bei längeren Texten (Novelle oder Roman) eher eine Person. Im Falle der Novelle „Lebst du noch oder wohnst du nur?“ (findet sich in Du bist raus!), war es eine Person, aus dem wirklichen Leben und ein Satz! Mein Ex-Mann Martin war zum Kaffee da und auf einmal sagte er: „Ich muss los und bei IKEA ein wenig in meinem Stuhl sitzen!“ Da fing sofort alles an zu rattern und auf einmal war da dieser Soziophobiker, der bei IKEA einzieht.

Bei Tore & Wölfe – Isa wieder, war es ganz anders. Da turnten mehrere Personen in meinem Kopf herum und alles was ich über sie wusste, war, dass sie in Wannaheim lebten. Dass es Tore gab und Gestaltwandler. Doch von der Idee bis zum fertigen Buch hat es einige Jahre und circa 30 Anfänge gebraucht, bis klar war, es ist Isas Geschichte, die sie erzählen will.

Aktuell schreibe ich an den Literamorphen, das wird wahrscheinlich eine kleine Serie. Es begann mit einem Namen. Eleonora Schabowski. Weiß die Geierin, wo der herkam. Ich wusste nur, wie sie heißt und dass sie in Bücher reisen kann. Das erste Mal zeigte sie sich deutlicher in der Kurzgschichte: Die Literamorphin, welche in der Anthologie „Sagenhafte Geschichten – Was Sagen sind, bestimmen wir“ die ich gemeinsam mit Gabriele Haefs herausgegeben habe. Seit dem ist sie eigentlich immer da und wurde immer aufdringlicher, bis ich mich an den Computer gesetzt habe und „Nun erzähl, Elo und ich schreibe! gesagt habe. Seit dem sprudelt es nur so aus ihr heraus.

Machst du Notizen? Nein, ich schleppe zwar dauernd Notizhefte und Stifte mit mir herum, aber notiere nicht viel. Auch, weil ich meine eigene Handschrift kaum lesen kann. Wenn eine Idee was taugt, bleibt sie auch so hängen.

Karin Braun mit Laptop auf der Gartenbank

Womit und wo schreibst Du? Ich schreibe ausschließlich am Computer und ich bevorzuge einen Laptop. Meistens schreibe ich am Schreibtisch, doch in der warmen Jahreszeit, setze ich mich schon mal gerne nach draußen unter die Kastanie. In der kalten Jahreszeit, wird mein Bett oft zum Arbeitsplatz. Unterwegs, also im Zug oder in Cafés schreibe ich nicht. Dort beobachte ich lieber.

Welches Schreibprogramm nutzt Du? So ziemlich alles was an Autorenprogammen auf dem Markt ist, habe ich ausprobiert. Papyrus habe ich praktisch von Anfang an genutzt. Scrivener auch. Die beiden waren, nach dem ich das Betriebsystem meiner Rechner auf Linux umgestellt habe, schwierig. Papyrus habe ich immer noch, das läuft einigermaßen unter Wine, doch ich nutze es eher zum Überarbeiten, denn es hat den DUDEN Korrektor. Hauptsächlich schreibe ich in Obsidan, dort kann man sich leicht sein eigenes Schreibprogramm einrichten. Neulich habe ich mir Tintero angesehen, das noch in der Betaphase ist und recht vielversprechend. Allerdings hat es für mich viel zu viele Gadgets, die ich nicht brauche und eher verwirrend finde.

Autorin, Herausgeberin, Literaturbloggerin und zeitweilig Übersetzerin! Was machst du am Liebsten? Das kann ich gar nicht sagen. Ich lese, seit ich ein Buch halten kann. Durch die Wechselfälle des Lebens war eines immer dabei: Bücher! Als ich mit dem Bloggen begann, lag es nahe über das Gelesene zu schreiben. Wenn jemand fragt was ich beruflich mache, sage ich meistens: Was mit Büchern! Das Geschichten finden (ich sage bewusst finden und nicht erfinden) ist auch von frühster Kindheit da und was lag näher als sie aufzuschreiben. Irgendwann lernte ich Autor:innen, Bloger:innen und Büchermenschen aller Art kennen und so entstand, gemeinsam mit der Übersetzerin Gabriele Haefs, der Gedanke Antholgien herauszugeben. Damit kam das Übersetzen. Geschichten von David Slattery, Algernon Blackwood, Jack London, Karon Alderman und Joanna Sterling habe ich übersetzt, um einige zu nennen.

Das Vampirhaus von David Slattery habe ich mal eingelesen:

Veröffentlichst du alles, was du schreibst? Nein! Bei Weitem nicht. Manches wirkt zwar fertig und doch ist da so ein Gefühl, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist. Doch ich bewahre sie auf diversen Festplatten gesichert auf, man weiß ja nie.

Wie sieht es mit einem Rat für angehende Autor:innen aus? Da gibt es nicht viel, außer: Schreib einfach! Erlaube dir Fehler zu machen! Kümmere dich nicht darum, was die Lesenden sagen werden, es ist deine Geschichte und nicht jeder wird sie mögen. Das wäre es schon.

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