Schreibratgeber

Neulich wurde ich auf dem anderen Blog vpn Siri gefragt, ob ich Schreibratgeber lese. Damals habe ich kurz geantwortet, dachte aber, dass es einer näheren Betrachtung wert ist. Ich schreibe seit vielen Jahren, auch wenn ich lange nicht alles veröffentliche. Besonders in der Anfangszeit, habe ich natürlich zu jedem Buch gegriffen, das mir Hilfe, Unterstützung und Ermutigung versprach. Später, als ich mir klargeworden war, dass dem Ganzen eigentlich nur die Forderung: „Verrate mir dein Geheimnis!“ zu Grunde liegt, flaute das Bedürfnis Ratgeber zu lesen ab. Die nachfolgenden Bücher habe ich gelesen und zum Teil mit ihnen gearbeitet.

Buchcover Der Weg des Künstlers von Julia Cameron. Weis und orange Schrift auf abstrakten Hintergrund aus Orange-, Rot- und Blautönen.

Der Weg des Künstler von Julia Cameron war eines der ersten: Vorweg es bezieht sich nicht nur aufs Schreiben, es geht um die Aktivierung von Kreativität. Sie schreibt ein zwölfwöchiges Programm mit unterschiedlichen Aufgaben vor. Eine Sache ist immer dabei: Das Schreiben von Morgenseiten! Jeden Morgen drei Seiten mit der Hand schreiben. Was? Egal, alles was gerade durch die Birne rauscht und wenn nichts rauscht, schreibt man halt drei Seiten: Mir fällt nichts ein! Frau Cameron sagt, dass macht man nicht lange, denn irgenwann fällt einem was ein. Hat das Buch mir nun etwas gebracht? Ja, aber nicht so, wie von Julia Cameron gedacht. Erst einmal war ich schnell von diesem 12-Wochen Programm genervt. Ich fühlte mich durch die vorgegebenen Aufgaben eingeengt und hatte das Gefühl von Unzulänglichkeit, wenn ich es nicht schaffte. Ein Freund von mir, der malt und Skulpturen baut, widerum fand es toll und es hat ihn aus einer Schaffenskrise geholfen. Mir sind die Morgenseiten über lange Zeit geblieben und sie sind es immer noch, wenn ich einmal total feststecke.

Buchcover Schreiben in Cafés von Natalie Goldberg. Eine Frau mit Stift und Block an genem Cafétisch.

Schreiben in Cafés von Natalie Goldberg: Es ist fast 20 Jahre her, dass das Buch, dessen englischen Titel: Writing down the bones, ich schöner finde, Furore machte. Plötzlich saßen überall in Cafés Leute mit ihren Moleskine Heften oder College Blocks und schrieben. Denn das ist die Grundempfehlung von Natalie Goldberg. Setze dich in ein Café, in ein Lokal oder einen anderen Ort, der nicht dein zu Hause ist und schreibe. Sie gibt nach jedem Kapitel Aufgaben vor, wie beschreibe die Blumen auf dem Tisch oder beschreibe die Farbe deines Getränkes und zwar so genau und detailreich wie möglich. Ziel ist es, in eine Art Flowzustand zu kommen, die Autorin, die Zen-Budhismus praktiziert, beschreibt es als eine Art von Meditation. Hat das Buch mir etwas gebracht? Ja und Nein! Ja in sofern, dass ich erkannt habe, dass ich nicht in Cafés schreiben mag, auch nicht in der Bahn, da will ich beobachten. Es kommt vor, dass ich mal Notizen machen, aber bestimmt beschreibe ich nicht die Farbe meines Getränkes oder schreibe ein Gedicht über den letzten Pommes auf dem Teller.

Buchcover Schreiben eine Ermutigung von Milena Moser. Die Schriftstellerin im lila Boilersuit vor einer blauen Gartenhütte.

Schreiben – Eine Ermutigung von Milena Moser: Das hat mir sehr gefallen. Besonders, weil es genau das ist: Eine Ermutigung! Trau dich, nimm dir den Stift, setz dich an die Tastatur und los. Lass dich einfach darauf ein, folge einer Figur, einer Situation, einem Gedanken und schau was wird. Rechtsschreibung, Grammatik und das Gedöns ist erst einmal egal. Darum wird sich im 2. und vielleicht auch dritten Entwurf gekümmert. Milena Moser erzählt in dem Buch von ihren Anfängen bis hin zu ihren Schreibkursen. Auch wenn ich nun nicht so arbeite, besser gesagt, nur teilweise, habe ich eine Menge aus der Lektüre mitgenommen.

Buchcover Stephen King On Writing. Oberer Teil Schwarz mit weißer und roter Schrift, im unteren Teil der Autor am Schreibtisch mit hochgelegten Beinen, und Hund

On Writing – A Memoir of the Craft von Stephen King: On Writing gehört eigentlich nicht in die Ratgeber-Kategorie, denn Stephen King gibt zwar den einen oder anderen Ratschlag, aber eingebettet in seine Geschichte. Auf deutsch heißt das Buch: Das Leben und das Schreiben, ich habe es im Original gelesen und habe es auch als Hörbuch vom Autor gelesen. Es ist eines der Bücher zu dem ich immer mal wieder greife.

Buchcover Zen in the Art of Writing von Ray Bradburty- Weißer Hintergrund, stilisierte Flammen in orange und gelb, und eine Schreibmaschine.

Zen in der Kunst des Schreibens von Ray Bradbury: Ray Bradbury ist einer der Autoren, die ich immer wieder lese. Sein Fahrenheit 451 ist ein Meisterwerk, aber auch so einige andere seiner Bücher, gehören zu meinen Lieblingen. Bradburys Essays drehen sich rund ums Schreiben, sind aber keine Anleitung, wie man es schafft einen Roman zu schreiben und doch habe ich eine Menge beim Lesen der Artikel gelernt, wie auch beim Lesen seiner Bücher. Bradbury ist ein Meister im Weglassen und darin, dem Lesenden Raum für eigene Bilder zugeben.


So, das war eine kleine Reise durch die Welt der Schreibratgeber, die ich gelesen habe. Um es Vorweg zu sagen, besonders die mit einem vorgegebenen Programm, haben mir so gut wie gar nichts gebracht, außer der Erkenntnis, dass es für mich so nicht funktioniert. Am meisten ermutigt fühlte und fühle ich mich immer noch durch die Bücher von Milena Moser, Stephen King und Ray Bradbury, denn was diesen dreien gemeinsam ist, ist, dass aus jeder Zeile die Liebe zum Schreiben und zum Geschichtenerzählen leuchtet.

2 Kommentare

  1. Die Sammlung deiner Bücher zum Schreiben ist interessant. Danke für den Beitrag.
    Ich habe auch eines, mit vielen Übungen und vorgegebenen Themen. Irgendwie interessierten die mich aber nicht und ich habe nicht mit einer einzigen der Übungen begonnen. Ich werde es wohl nun verschenken.
    Liebe Grüße, Gudrun

    • Nach dem Lesen all dieser Werke (es gab noch viel mehr) bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese ganzen Bücher mit Schreibaufgaben und Prompts gar nicht bringen. In der Regel ist es ja nicht so, dass man nicht was über was man Schreiben will, sondern es auf eine verquere Art richtig machen will. Das lernt man nicht daraus. Es gibt kein richtig oder falsch. Man muss sich einfach die Erlaubnis geben Fehler zu machen, es einfach tun. Wie gesagt, geholfen haben die Bücher, die genau in diese Richtung ermutigen. Alles Liebe Dir.

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