Die Struktur beweglich halten

Scrivener Maske in Balu, mit gelben Karteikarten. Eine Pinnwand.

Wenn wir nun vom Wolkenkukusheim am Schreibtisch gelandet sind, geht es los. Das Projekt ist eingerichtet. Je nachdem mit welchen Programm man arbeitet, sieht es unterschiedlich aus. Auf dem Foto sieht man eine Scrivener Maske, in dem Falle die Pinwand. Natürlich lässt sich die auch manuell einrichten. Also einfach Wandfläche, Tesafilm und Karteikarten. Ich habe wenig Platz und finde es so deutlich bequemer. Was hier auf dem ersten Blick ein wenig starr wirkt, ist alles andere als das, denn die Karten lassen sich verschieben. Wenn ich nun also feststelle, dass der Unfall und was dranhängt, besser in Kapitl 3 statt 6 geschehen soll. Schiebe ich die Karte um und auch die Kapitelstruktur passt sich an. Die farblichen Balken zeigen an, welche Person in dem Kapitel am aktivsten ist oder aus wessen Blickwinkel es geschrieben ist.

Scrivenermaske in Blau mit gelben Textblatt und Foto als Gedächtnisstütze.

Die wichtigste Lektion in diesem Stadium ist, sich klar zumachen, dass nichts perfekt sein muss. Alles kann verändert und angeglichen werden, völlig unabhängig mit welchem Programm man arbeitet. Es ist der erste Entwurf und selbst wenn man plottet, was ich nur sehr selten mache, ist nichts festgeschrieben Wenn sich in Kapitel 10 herausstellt, dass Claudia doch besser Marko ermordet statt umgekehrt, denn ist es in Ordnung. Man macht sich einen Vermerk und gleicht einiges an und das war es schon.

Blauer, goldgeäderter Hintergrund. Davor ein Dokument in gelb, auf dem ein Steckbrief für eine Personenbeschreibung geschrieben ist.

Wenn ich einen Roman schreibe, dann lege ich eine Charakterdatenbank an. Einfach schon, weil man meistens über einen recht langen Zeitraum an so einem Teil werkelt. An Tore & Wölfe – ISA habe ich ungefähr ein Jahr gearbeitet. Da wusste ich zum Beispiel manchmal nicht mehr, ob Katz grüne, blaue oder braune Augen hat und da war es mehr als praktisch, eben in seinen Steckbrief zu sehen. Doch ich entwerfe in der Regel keine langen Backstorys, Manchmal notiere ich da noch was. Doch im Großen und Ganzen, fülle ich nicht einmal alles von dem aus, was ihr da oben seht. Besonders vorsichtig bin ich bei den Eigenschaften. Nicht mehr als drei in der Regel. Vielleicht zwei positive und eine negative. Natürlich kann es sein, dass sich der Steckbrief erweitert, gar keine Frage. Besonders, wenn das aktuelle Buch Teil einer Serie ist, ist das auch kaum vermeidbar. Aber gerade anfangs möchte ich der Figur Raum geben sich zu entwickeln.

Ich habe auch eine Vorlage für Orte eingerichtet. Die ich in dem aktuellen Projekt allerdings nur rudimentär brauche. Wenn ich allerdings Fantastik schreibe und es durch mehrere Welten geht, dann nutze ich die schon sehr intentiv. Mein aktuelles Projekt spielt in weiten Teil in Kiel, wo ich lebe. Da ist es nicht nötig. Von dem Haus, in dem weite Teile der Handlung spielen, habe ich eine klare Vorstellung, auch wenn es mittlerweile abgerissen wurde. Doch ich habe Fotos und die pinne ich schon mal an dem einen oder anderen Kapitel dran.

Nun haben wir also eine gute Umgebung, in der der erste Entwurf wachsen kann.Wie es mit dem 2. Entwurf weitergehen kann, besser gesagt, wie ich es halte, erkläre ich im nächsten Artikel.

2 Kommentare

  1. Siri

    Hi, warum nennst du das nicht Plotten, was du da machst? Für mich sieht es nach einem Plot aus bzw. liest sich so. Dass du unterschiedliche Farben für unterschiedliche Figuren hast, ist eine gute Hilfe! Und die Figuren erst im Schreiben richtig kennenzulernen, hat wirklich Vorteile, aber auch Nachteile, wenn sie auf eine Weise agieren, die nicht wirklich in die Handlung passt und man sich fragt, was soll das denn jetzt? Das geht, wenn man Lust hat, sich von der Geschichte irgendwohin tragen zu lassen, aber ob da dann wirklich gute Geschichten bei rauskommen, hängt wohl vom Talent des Autors/der Autorin ab. Steven King kann sich so was erlauben, aber wenn man die Flut schlechter Bücher mitbekommt, die Monat für Monat das Licht der Öffentlichkeit erblicken … Naja, die scheitern natürlich nicht nur an ihren z.T. sonderbaren, inkonsistenten Handlungen. Und viele von ihnen finden ja trotzdem ihre z.T. sogar große Leserschaft. Mir ein Rätsel, und ich muss es ja zum Glück nicht lesen, aber ich habe in der Vergangenheit natürlich in alles Mögliche reingelesen. Oft gefallen mir sogar gut gemachte Geschichten nicht, wenn sie mir lahm vorkommen. Das ist natürlich unfair, und letztendlich ist sowieso alles nur Geschmackssache! Weiter frohes Schaffen! LG Siri

    • Moin Siri, es mag zwar nach Plotten aussehen, ist es aber nicht. Wäre es das, würdest du dort an die 40 Kärtchen sehen und alle sehr mager ausgefüllt. Hier versteckt sich hinter jeder Karte bereits geschriebenes, jemals ein Textstück von ca. 1500 – 2000 Worten. Sicher habe ich eine grobe Ahnung, wie es weitergeht, jedenfalls bis zur nächsten Ecke. Plotten hat fiel für sich, wenn man einen Krimi schreibt, wo die Zeitabläufe eine Rolle spielen. Ich schreibe hier über den ersten Entwurf und bei dem ist alles beweglich und ich überarbeite auch hier bereits beim Schreiben. Und das Figuren irgendwann beginnen ein Eigenleben zu entwickeln und nicht unbedingt machen, was ich will, finde ich erfrischend. Für mich ist der 1. Entwurf ein Kennenlernen. Darum dauert der auch bei mir relativ lange. Aber da ich mir hier schon Notizen und Anmerkungen machen, geht der 2. relativ schnell.
      Was nun diese Bücherflut betrifft, die jeden Monat herauskommt. Da habe ich schon einige Schätzchen entdeckt. Rebecca Tope zum Beispiel oder Gretta Mullrooney oder die Frl. Schumacher Serie von Andrea Instone. Und sein wir doch mal ehrlich, bei vielen der hochgelobten, ach so literarischen Werke, ist auch so einiges dabei, wo du dich fragst, was hat der Autor sich denn dabei gedacht … also, wenn überhaupt. Hab eine schöne Woche

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