
Schreibt man einen Roman von ca 80 000 Worten, mit einem recht umfangreichen Personal, dessen Handlung zusätzlich auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, dauert es seine Zeit. Manchmal läuft es gut und man kommt täglich zum Schreiben, doch manchmal grätscht eben auch einfach das Leben dazwischen, und man kommt über einen längeren Zeitraum nicht zum Arbeiten. Das sind die Zeiten, in denen ein gute Idee leicht sterben kann. Vor allem schon deswegen, weil man viel Zeit damit verbringt sich zu beschweren und sich über Umstände aufzuregen, die sich nicht ändern lassen. Verfalle ich in diesen Modus, hilft ein Blick auf das Schild. Es hängt über meinem Schreibtisch.

Ich habe gerade so eine Phase hinter mir. Mein Mann wurde krank und wir verbrachten viel Zeit in Notaufnahmen. Kaum waren wir damit durch, brauchte ich einen neuen Rechner. Der erst einmal alles neu eingerichtet werden musste. Jedenfalls war es, sagen wir mal so, kompliziert und mir fehlte die Konzentration zum Schreiben … jedenfalls, um mein übliches Kontingent zu schaffen. Aber nicht direkt schreiben, heißt ja nicht, dass man nicht schreibt. Im Kopfe rattert es weiter und gerade das in nicht alltägliche Situationen und Umgebungen zu geraten, kann sehr hilfreich sein. Während der Wartezeiten im Krankenhaus, machte ich Notizen zur Umgebung und zu den Menschen. Manchmal setzte ich eine meiner Figuren auf einen leer gewordenen Stuhl in der Notaufnahme und überlegte mir wie sie sich verhielte, wenn … Mit anderen Worten, nur weil man nicht schreibt, heißt es nicht, dass man nicht schreibt!
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.
— Astrid Lindgren (1907 – 2002), Schriftstellerin – Gefunden auf: https://goethe-und-so.de
Gerade bei einem Roman ist es, meiner Meinung nach, sogar wichtig, ab und an einmal daraus aufzutauchen, um wieder einen Blick von Außen auf das Ganze zu bekommen. Hängt man einmal fest, etwas das mit Sicherheit passiert, hat es wenig Zweck den Bildschirm anzustarren, bis man vor Frust blau wird. Sinnvoller ist es ein wenig Spazierendenken zu gehen.
Dann gibt es noch die Situation, in der man von einem Moment auf den anderen plötzlich davon überzeugt ist, den größten Mist allerzeiten geschrieben zu haben. Bei mir hilft da nur eines: Einen Tag freinehmen und etwas ganz anderes machen, am nächsten Tag alles noch mal durchlesen und weitermachen.